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Martin Herrmann, Gewinner der "Scharfen Barte, Melsungen"
Herrmann bleibt eisern maskulin: Herr, Mann und dann auch noch Martin. Die
schleichende Feminisierung Deutschlands unter Merkel – keiner reagiert darauf
sensibler als der Östrogenseismograph Martin Herrmann. Für viele ist es
schon eine Leistung, einfach älter zu werden. Einstein wusste: Bewegung hält
jung. Herrmann relativiert: es kommt auf die Richtung an. Auf der A 7 ist es
wurscht, aber auf der A 2 altert man viel schneller in Fahrtrichtung Westen.
Der Trend zur eigenen Familie hat sich gespalten: alte Eltern bleiben modern
– andere Familien sind wiederum so jung, dass sich das Kind mit den eigenen
Eltern um den Teddybären streiten muss. Der Nachbar weiss nie: heult jetzt das
Kind oder der Vater? Scharf wie ein Nacktscanner leuchtet Martin Herrmann dem
Zeitgeist unters Fettgewebe, charmant werden Peinlichkeiten aus Politik und
Gesellschaft auf den Punkt gebracht. Emanzipation ist out, der Übersinn ist
schwer im Kommen. Mit meisterhaft gezupftem Eierschneider muß der Bauer heute
der Esoterikerin imponieren. Stringkopftuch und Gürtelkrawatte weisen auf
Trenderwartungen bei Integrationsklamotten. Gefühle werden immer schneller
religiös. Statt der Ersatzreligion Fussball wird Religion zum Ersatzfussball.
Der Staat darf online die Festplatten durchsuchen, zur Freude der meisten
Autoren: sie werden endlich gelesen.
Volker Surmann, 2. Platz "Heilbronner Lorbeeren 2008"
Scheitern ist geil! Hand auf’s Herz: Nichts lieben wir mehr, als anderen
Menschen beim Scheitern zuzusehen. Nur deshalb gibt es „Deutschland sucht den
Superstar“, Gerichtsshows, Daily Talks, Wahlen. Volker Surmann ist in
Ostwestfalen aufgewachsen, das heißt: Er ist mit dem Scheitern vertraut. Doch
ist eine Kindheit im Teutoburger Wald schon die erste Jugendsünde? Kann eine
Milchkuh für ein gebrochenes Herz sorgen? Als Bauer hat Volker nicht getaugt und
wurde auf die Universität abgeschoben und ist nun so klug als wie zuvor. Was
soll man auch tun, wenn Maschinen das Denken lernen, Autos ihre Motoren
vergessen und die eigene Kaffeemaschine depressiv wird? Was, wenn man sich mit
seinem Körper langsam auseinander lebt, und der Kopf übervoll ist mit
Geschichten vom Scheitern, so dass man sich nichts sehnsüchtiger wünscht als
„Google Brain“ – die Suchmaschine fürs Hirn?
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